ZAKOPANE

Der Sciene-Fiction Roman Solaris, 1961 geschrieben von Stanislaw Lem, ist in Zakopane die Grundlage für eine Anordnung von Räumen und Mechanismen. Am Ende der Treppe, hinter einem leuchtenden Korridor, findet sich die Schleuse zu einer eigenwilligen Station. Fragmente und Aufzeichnungen, Video- und Tondokumente, ermöglichen den Einblick in eine scheinbar vergangene Forschungshistorie. Mit ihren Materialien und Schaltern werden die Räume selbst zu eigenständigen Akteuren in der Erzählung. Die fremde Logik des anderen Planeten hat Spuren hinterlassen und arbeitet weiter – hinter den Wänden, in den Installationen und akustischen Landscha en; Zakopane lädt seine Gäste ein zur Erkundung der Station. In der Begehung der Räume, beginnen sie Systeme scheinbar zu verstehen, um im Ende vielleicht sogar so etwas wie eine Form der Kommunikation aufzubauen.

Was tun Menschen, wenn gängige Parameter um Erlebnisse einzuordnen scheitern und es keinen Abgleich mehr mit Gewohntem für sie gibt? Und was tun, wenn das zu beobachtende Objekt nach eigenen Regeln spielt, wenn es die Menschen mit fremdartigen Situationen konfrontiert um selbst auch ihre Reaktionen zu betrachten? Alle Ereignisse vor Ort werden live erzeugt und mutieren ständig, sodass kein Gast das selbe erleben wird.

Zakopane ist ein Performance/Installation Hybrid für einzelne Gäste. Alle 15 Minuten betritt ein*e neue*r Zuschauer*in die verschiedenen Räume, eine fiktive Forschungsstation. In den Räumen finden sich interaktive Elemente, Videosequenzen, eine Puppen-Figur und diverse Materialien. Ein Aufenthalt dauert insgesamt 25 Minuten. Alle Elemente der Installation sind live generiert durch 3 Performer*innen hinter den Kulissen. Dabei ist jeder Einzeltermin einzigartig und einmalig, die Installation reagiert auf ihre Gäste, bietet verschiedene Handlungsmöglichkeiten an und moduliert von Gast zu Gast das Setting immer wieder auf s Neue.

Konzept & Performance: Jost von Harleßem, Hanke Wilsmann
Mitarbeit vor Ort: Nana Melling, Rupert Jaud, Philip Albus (Musik)
Sprecher*innen: Gesa Bering, Milan Pešl

Aufführungen:
18. – 25. September 2015 – zeitraumexit e.V. , Mannheim
9. + 10. Januar 2016 – Gießen, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft
16. – 19. Mai 2016 – Theaterszene Europa, Studiobühne Köln

Ausflug auf Stanislaw Lems Raumstation

In der Installation “Zakopane” in Gießen begeben sich die Besucher auf die Raumstation aus Stanislaw Lems Science-Fiction-Roman “Solaris”. Das Künstlerduo Jost von Harleßem und Hanke Wilsmann hat einen Parcours durch geschickt gebaute Theaterkulissen geschaffen. […] Zakopane” ist ein leichtfüßiger, 15-minütiger Parcours durch geschickt gebaute Theaterkulissen, Licht- und Klangeffekte. Mit gelungenen kleinen Persiflagen auf Horroreffekte, wie den batteriebetriebenen Kriechtieren, die aus einer Luke herauspurzeln, die man in der Wand des Zentralraumes öffnen kann. Auf Stanislaw Lems grausame Wunder wie in “Solaris” muss man in “Zakopane” verzichten. Das Gießener Gewerbegebiet, in das man nach der Aufführung wieder ausgespuckt wird, ist vielleicht auch schon grausam genug.

Ludger Fittkau, Deutschlandradio Kultur, 11. Januar 2016

Raumstationsvisite – Gießen öffnet sich ins Weltall

Am kommmenden Samstag und Sonntag kann in Gießen […] die Installation “Zakopane” nach dem Roman “Solaris” von Stanislaw Lem erkundet werden und damit die nahe Zukunft übersprungen werden, um in die fernere zu gelangen: Die von dem Künstlerduo Jost von Harleßem und Hanke Wilsmann auf die Erde geholte Raumstation […] ist von ihrer Besatzung bereits verlassen. Sie benimmt sich je nach Besucherverhalten mal hilfreich, mal launisch und übertrifft an Unberechenbarkeit damit jede Computersimulation. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2016

Das Festival Wunder der Prärie in Mannheim bietet komplexe Fremderfahrungen

[ . . .] Platzangst sollte man vielleicht nicht haben. Und auch keine Scheu vor dem Ungewissen. Stufe für Stufe, die man hinauf geht, Richtung Eingang, steigt die Spannung. Nach Anmeldung und Einweisung wird man nun endlich hineingehen dürfen, in „Zakopane“. Dabei handelt es sich nicht um den gleichnamigen Winterskiort in Polen, sondern um eine performative Installation von F. Wiesel, die in der großen Halle von zeitraumexit für die Dauer des Festivals Wunder der Prärie (bis 26. September 2015) in Mannheim aufgebaut ist.

Das Thema des Performancekunst-Festivals lautet in diesem Jahr „Fremd“. Und so fühlt man sich tatsächlich auf dem Gang durch die Räume: fremd und ein wenig ausgeliefert an die „Stimme“, die einen – ganz allein – durch die Erfahrungsräume leitet. […] Man stößt auf Kurioses und auf Banales, auf Mitschri en und Fotos, Apparaturen und Bildschirme, ohne zu wissen, ob von einem etwas Bestimmtes erwartet wird. Man fühlt sich tatsächlich wie in der Fremde. Und ein beklemmendes Gefühl macht sich breit: Man fühlt sich irgendwie beobachtet. . . […] Tatsächlich hat der Besucher mehr Einfluss als er denken mag: Jede seiner Entscheidungen hat eine Handlungen zur Folge, so dass jeder Besucher eine andere Performance erlebt. So findet sich jeder in seiner eigenen, selbst gescha enen Fremde wieder. Die ist manchmal unheimlich, o aber auch einfach witzig.

regioactive.de, 24. September 2015

Zakopane entstand 2015 als Produktion des Festivals Wunder der Prärie in Kooperation mit zeitraumexit e.V in Mannheim.

Eine Koproduktion von: zeitraumexit e.V., F. Wiesel, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft,  Universität Gießen, Hessische Theaterakademie
Mit freundlicher Unterstützung durch: Giessener Hochschulgesellschaft, Kulturamt der Stadt Gießen, Maria Isabel Hagen & Eleonora Herder,  projekt.R e.K. – Visual Media, Lubeck Beschläge