FLINTRIDGE oder: Der Mensch erscheint im Holodeck

Ein Zimmer in einem abgeschiedenen Bergdorf im Tessin. Ein tagelanges Unwetter schneidet das Dorf von der Umwelt ab. Und während das Wasser steigt, flieht der Wind durch die Berge. Und dann? Eine neue Gemeinschaft siedelt sich an und ist voll von Vorstellungen.

F. Wiesel entwickelt eine digi-loge Theatermaschinerie und macht Max Frischs Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“ zum Ausgangspunkt einer multidimensionalen Wanderung auf 16 Quadratmetern. Krude Apparaturen, Computerspiel-Logik der 70er und VR-Elemente führen durch eine Erzählung über klimatische Herausforderungen, die Rolle des Menschen in der Zukunft und die Kraft der Imagination.

» Gloucester: When shall we come to the top of that same hill?
Edgar: You do climb up it now: look, how we labour.
Gloucester: Methinks the ground is even.
Edgar: Horrible steep. Hark, do you hear the sea?
Gloucester: No, truly.
Edgar: Why, then, your other senses grow imperfect by your eyes’ anguish.
Gloucester: So may it be, indeed. «

William Shakespeare. King Lear, 4.6.2-10

Konzept, Umsetzung: Hanke Wilsmann, Jost von Harleßem, Rupert Jaud
Mitarbeit Digital-Art: Paula Reissig
Sprecherin: Ana Berkenhoff
Interaction-Design: Robert Läßig
Programmierung: Benedikt Göpfert
Produktionsleitung: Heidrun Schlegel

Vorstellungen
18.-25. Nov im Atelierfrankfurt / Schwedlerstraße 1-5 / 60314 Frankfurt a.M.
(im Programm des Künstlerhaus Mousonturm, 18.-21. Nov im Rahmen der Open Studios )
Buchung unter: www.flinkwiesel.de/tickets


weitere Vorstellungen
Januar 2022 Roxy Birsfelden
März 2022 Theater Chur


Eine Produktion von F. Wiesel in Kooperation mit dem Roxy Birsfelden und dem Mousonturm Frankfurt.
mit freundlicher Unterstützung durch: Atelierfrankfurt e.V., andpartnersincrime
gefördert von:
Kulturamt der Stadt Frankfurt, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


« […] Und sei es, weil er dem Zuschauer mit äußerst schlichten Mitteln vorführt, was es heißt, in 15 Minuten eine ganze Welt zu bauen. Und wie wenig es dazu bedarf. Entstehen doch Szene, Bühnenbild und Handlung, einmal eingetreten in das mit nichts als erzählerischen Mitteln aufgefaltete Universum, zunächst im Kopf des Publikums. Bis man dann doch die VR-Brille aufsetzt und für die nächste Viertelstunde statt im Projektraum des Atelierfrankfurt inmitten der virtuellen Berge steht. […] Ein Prospekt im Grunde mit majestätisch aufragenden Bergen, einem Chalet vielleicht, einem Gebirgsbach und einem pittoresk in die Tiefe stürzenden Wasserfall fast wie im Urlaub. Nur erkennbar nicht ganz echt. Na und? Hier glaubt man es nichtsdestotrotz sofort. Und darum geht es. Immer schon in den Arbeiten Jost von Harleßems und Hanke Wilsmanns, die seit gemeinsamen Gießener Studienzeiten als F. Wiesel höchst unterhaltsam die Illusionsmaschine Theater befragen. Was sie antreibt, was sie ausmacht und im Innersten zusammenhält. Mit dessen eigenen, schon mal zwischen Bühne, Installation und Hörspiel changierenden Mitteln. Kurzum darum, was das Theater auch in Zeiten virtueller Wirklichkeiten immer noch vermag. […] Das Wasser steigt, bis wir uns um ein Haar verschlucken, und im virtuellen Bühnenraum des Holodecks wird es für die nächsten 1000 Jahre bitterkalt. Und doch, kein Zweifel: Wenn eines Tages all die Wasser wieder weichen, fängt das Theater noch einmal ganz von vorne an. »

Die Welt erkunden – F. Wiesels „Flintridge“ im Atelierfrankfurt
Christoph Schütte  / FAZ 18.11.2021

« Man befindet sich mitten drin […] in einer Welt die eindeutig nicht die unsere ist aber trotzdem unglaublich real erscheint, weil sie durch die VR-Brille eine gesamte Realität bildet. […] Diese Vorstellung von Untergang, von Sintflut, von Dürre, von Klimakatastrophe ist ganz gegenwärtig. Man hat sich aber auch unglaublich auseinandergesetzt mit sich selber und seiner eigenen Vorstellungskraft und wie diese Vorstellung animiert und getriggert wird. »

Im Kopf von Max Frisch – HR2 Frühkritik / Ulrich Sonnenschein 22.11.2021

« eine Kunsterfahrung die du so wahrscheinlich noch nicht gemacht hast. […] Für die Künstler war es die Möglichkeit an etwas neuen zu arbeiten in einer Zeit in der es wenige Aufführungen gab. Es erwarten dich große Stellwände, Effekte, Maschinen, Wind und Wetter. […] Sie wollen sichtbar machen wie die Umwelt sein kann wenn man sich als Mensch einmal rausnimmt. Und Umwelt nicht zentriert auf die Menschen gesehen wird, sondern wie sie in sich selber existiert und ernstgenommen werden muss. »

Ankündigung Radio X Basel / Tim Meyer 22.01.2022